Im Focus

Ich lese sehr selten den Focus, weder die Print- noch die Online-Ausgabe.

Ist so ein Artikel über das gestrige Spiel Wolfsburg-Bayern exemplarisch für Focus-Online?

Eins vorweg: Es ist nicht einfach, aus dem Stand einen Artikel über ein Bundesliga-Spiel zu bringen. Schlußpfiff in der Bundesliga ist zwischen 17.15 und 17.20 Uhr, und dann soll der Artikel am besten auch schon online veröffentlicht sein.

Aber muß angesichts dieses Zeitdrucks dann gleich so ein, äh, „Stück“ entstehen?

… Abgetaucht, lediglich Jürgen Klinsmann stellte sich der Öffentlichkeit nach dem 1:5-Debakel in Wolfsburg.

Bei diesem hatte vor allem Mark van Bommel schnell klargestellt, was der Terminus „Spitzenspiel“ für ihn bedeutet. Der Bayern-Kapitän trat Edin Dzeko in der dritten Minute …

Nach drei Minuten stand’s noch 0:0 – da war’s noch kein Debakel. „Debakel“ ist als Fazit die treffende Vokabel, nicht zum Zwecke der Spielverlaufsnacherzählung.

Als van Bommel nach einer knappen Viertelstunde Misimovic umgrätschte, wurden wohl schon erste Wetten darauf angenommen, dass der Niederländer das Spielende nicht auf dem Platz erleben würde.

Die ersten Wetten auf einen Platzverweis von van Bommel werden angesichts seiner Spielweise grundsätzlich bereits vor Spielbeginn abgeschlossen.

Van Bommel kühlte in der Folge ebenso schnell ab wie das gesamte Spiel, das über weite Strecken der ersten Halbzeit wohl nur von Diplomaten als intensiv bezeichnet werden konnte.

Das ist hübsch formuliert.

Schuldig im Sinne der Fußballweisheit muss sich hier Luca Toni bekennen. Er ließ Gentner nicht nur aus den Augen, sondern duckte sich im entscheidenden Moment unter dem Ball weg, als wollte er mit dieser Defensivaufgabe nichts zu tun haben.

„Schuldig im Sinne der Anklage“, diese Formulierung kennt man aus Hollywood-Filmen. Aber kann man „im Sinne der Fußballweisheit“ „schuldig“ sein? Und nur nebenbei: Toni duckt sich in der Szene nicht unter dem Ball weg. Er läßt, das ist korrekt, seinen Gegenspieler – soweit ihm Gentner denn zugeteilt war – in seinem Rücken unbeachtet. (Zusammenschnitt der Partie via YouTube am Ende des Eintrags.)

Mindestens genauso überraschend und schmeichelhaft wie die VfL-Führung fiel mit dem Schlusspfiff der Ausgleich.

Es war der „Schlußpfiff“ der ersten Halbzeit, man könnte auch treffender sagen: Halbzeitpfiff.

Auch der VfL zelebrierte durch Riether und Pekarik geradezu die Doppelbewachung für Franck Ribery, sobald dieser auch nur in die Nähe des Balles kam. Nach der Pause wurde dieser leichte Vorteil dank einer nun kompromissloser aufspielenden Heimmannschaft zum Knackpunkt im Genick des amtierenden Meisters.

Die taktische Maßnahme, Ribery konsequent zu „doppeln“ hat sich vielleicht als „vorteilhaft“ für Wolfsburg erwiesen. Die Maßnahme an sich ist aber kein „Vorteil“, sondern erst mal eben nur eine Maßnahme.

Und „Knackpunkt im Genick“ – puh, da schmerzt beim Lesen der eigene Nacken.

Im Hinspiel gegen Wolfsburg hatten die Rot-Weißen einen 0:2-Rückstand noch in ein 4:2 verwandelt. Was sich alles seitdem geändert hat, schmierten die Wolfsburger jetzt genüsslich auf die bayerische Semmel.

Über die Stelle habe ich lange nachgedacht. Sie meint, daß der VfL nicht mehr die Mannschaft der Hinrunde ist, als man eine deutliche Führung gegen den FC Bayern noch „versemmelte“. Kann man meinetwegen so formulieren.

Die Treffer Nummer drei und vier auf Wolfsburger Seite fielen durch einen Konter, …

Zwei Tore fielen durch einen Konter? Das kann nicht schlicht und einfach nicht sein. In dem Satz fehlt z.B. ein „jeweils“.

Dass einzelne Spieler und auch ganze Mannschaften gegen den FC Bayern regelmäßig zur absoluten Höchstform auflaufen und denkwürdige Partien abliefern, gehört zur Bundesligarealität – dass dies in einer solchen Regelmäßigkeit wie im Moment geschieht, lässt auf den Gesichtern von Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge tiefe Furchen statt eines Lächelns entstehen.

Das Spiel gegen Bayern ist für viele Liga-Konkurrenten das „Spiel des Jahres“ und entsprechend treten diese Gegner dann auf. Ok, das ist keine neue Erkenntnis, aber auch keine falsche.

Allerdings ist das auch nicht immer so. Und daß dies „im Moment“ „regelmäßig“ geschieht – der Verlauf der Rückrunde gibt das nicht her.

Der Autor ist allerdings – selbst Bayern-Fan? – in seinem Kommentar zum Spiel und zur Lage der Bayern-Nation (Tenor: Meister trotz Klinsmann) weiterhin überzeugt, daß Bayern Meister wird. Der Auffassung kann man sein. Und bin ich selbst auch. Sollen diesmal die anderen (ob jetzt Wolfsburg, der HSV, Hertha, egal) heulen.

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Eingeordnet unter Fußball allgemein

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