Fastenzeit, 21. Tag

Heute beschäftige ich mit einem Auszug aus einem weiteren Text zur Fastenzeit. Der Text findet sich in einem Word-Dokument direkt hinter dem folgenden Link.

Fastenzeit als Versuchsfeld

Die Fastenzeit ist so ein Versuchsfeld. [Für den Versuch, für eine gewisse Zeit, die Fastenzeit, ein anderes Leben zu führen. J.S.] Die sieben Wochen von Aschermittwoch bis Ostern können eine Auszeit sein, in der man sich ausprobieren, in der man versagen und wieder neu anfangen, in der man über sich hinauswachsen kann.

Über sich hinauswachsen klingt ein wenig überkandidelt – aber dieser Gedanke hat sich in meinem Kopf so festgesetzt, daß ich mein Fastengelübde (kein Tabak, kein Alkohol) durchgehalten habe.

Früher gab es für diese Zeit feste Regeln: Kein Wein durfte getrunken, kein Fleisch gegessen werden, später auch weder Milch, Käse noch Eier.

Bleibt ja nicht viel übrig.

Es gab keine Tanzveranstaltungen, keine Hochzeiten. Alles, was von Ostern wegführte, sollte gemieden werden. Alles, was einen gebunden hielt, sollte man loslassen, um frei und nüchtern die Auferstehung Jesu feiern zu können.

Eine Schalke-Fastenzeit sollte ich echt mal überlegen. Fertig. Nein.

Seine Sinne wach und geschärft auf das neue, das andere Leben richten können, das aus dem Scheitern, dem Tod wächst.

Der Dreh leuchtet mir nicht so ohne weiteres ein. Hinter der Fastenzeit steckt also eine Art „Memento mori“. Aber nicht jedes Scheitern (zum Beispiel ein Verstoß gegen sein Fastengelübde) ist doch gleichbedeutend mit einem kleinen Tod. Jesus ist am Kreuz gestorben und nicht gescheitert … OK, vorübergehend doch: „… Eli, Eli, lama asabtani …“

Aber schließlich wurde dann doch noch alles gut, das leere Grab, die Emmaus-Erscheinung und Himmelfahrt, Amen, Halleluja.

Also nochmal: Enthaltsamkeit in der Fastenzeit soll die Sinne schärfen, damit man einen klareren Blick auf das Leben nach dem Tod erhält. Dumm nur, wenn man als Agnostiker gerade den Glauben daran, ans Leben nach dem Tod, nicht hat. Mir reicht es derzeit, einen klaren Blick auf meine Umwelt und Umgebung zu haben und dabei zu bemerken, wieviel dummes Zeug so geredet wird. Zum Beispiel nach einer Anzahl oder auch Unzahl von Bier, um 3 Uhr morgens. Nicht uninteressant.

Es ging früher und geht auch heute nicht darum, bestimmte Lebensmittel zu verdammen. „Alles ist mir erlaubt“, schreibt Paulus im Neuen Testament, „aber nicht alles dient zum Guten. Alles ist mir erlaubt, aber es soll mich nichts gefangen nehmen.“

Das widerum hat etwas Buddhistisches: Sich nicht von Dingen in Beschlag nehmen lassen, nicht an ihnen haften. Ihren Wert schätzen, aber nicht überbewerten, zu hoch bewerten, so hoch, daß sich unsere Gefühle auf sie ausrichten, total, bis hin zur Sucht. Oder zum Haß.

Sondern Distanz zu den Dingen halten. Oder wieder Distanz einnehmen können.

Ich lerne gerade, was das bedeutet. Ein Effekt des Fastens? So sei es.

Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Uncategorized

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s